Maria Darázs • Poesie in Farben

Die Kritiker von Maria Darázs, Deutsche, Franzosen, Katalanen, Ungarn, sind darüber einig, dass ihre Malerei eine "Poesie in Farben" ist. Sie ist zweifelsohne eine Koloristin, aber sie vernachlässigt auch die Formen nicht, etwa im Sinne des "Zeitgeistes". Die angebliche Vernachlässigung der Formen, im Klartext, die ungeschickte Verzerrung von Form und Perspektive zur Tugend zu machen ist nur ein Alibi, um fachliches Nichtkönnen zu kaschieren. Sie meint, die Malerei ist grundlegend ein Handwerksberuf, der erlernt werden muss. Mit Farben, Flecken und Linien zu spielen vermag jedes Kind, ja sogar auch ein Affe, aber das ist noch keine Kunst. Die Malerei, als Handwerk auch nicht. Um Künstler zu sein, benötigt man Berufung, handwerkliches Können und ästhetisches Urteilsvermögen. Maria Darázs hat alle diese Tugenden inne. Dazu trug auch ihre Ausbildung entscheidend bei, an der Hochschule der bildenden Künste in Budapest, bzw. an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Die Begabung ist Gnade Gottes, daher verpflichtet sie positiv zu schöpfen. Ihre beruhigende Bilder, Landschaften und Kompositionen sind daher keine bukolische Gemütstäuschungen, sondern künstlerische Darstellungen des wirklich Schönen. Es gibt nicht nur hässliches in dieser Welt, sondern es gibt auch viel Schönes. Das ist die Aussage ihrer Bilder. Auch wenn sie etwas Unerfreuliches darstellt, malt sie es schön.

Das ist nicht leicht, diese Malerei einzuordnen. Alles, was wir als "Außergewöhnlich" bezeichnen, ist schwer in eine Kategorie zu stecken. Sie ist eine herausragende Künstlerin mit eigenem Weg, eine Koloristin. Sie gestaltet auch die Formen mit Farben, mit Lichtreflexen. Spiegelungen werden mit gekonnt gemischten Farben realisiert. Infolgedessen malt sie z.B. die Wasseroberflächen, die Spiegelungen so virtuos, dass es nicht nur zeitgenössisch beachtenswert ist, sondern auch in der Relationen der gesamten Kunstmalerei.

Die Farbenpracht ihrer Bilder erinnert an die Impressionisten, sie ist aber keine Postimpressionistin, obgleich ihre Malkunst als Fortentwicklung des Impressionismus betrachtet werden könnte. Ihre Malerei ist eine Fortentwicklung - als neuer Zweig - der anfänglichen plain air Malerei, wobei sie sich auch die Erfahrungen des Expressionismus zu Eigen machte. Sie nimmt die Impressionen auf, verarbeitet sie und bringt expressiv eine selektive Synthese hervor.

Das Erlebnis der Eindrücke beeinflusst auch die Wahl der Materialien. Daher bezeichnet man sie treffend als "Lyrikerin der Farben und Formen". Wie die Thematik es verlangt, wählt sie Öl, Aquarell, Kohle, Sepia, Tusche oder sie greift zu der Kelle, einem nassen Fresco zu Liebe.

In der Malerei meidet sie die graphischen Lösungen, Mischtechniken. Sie ist keine "Bildmacherin", sondern eine Künstlerin. Mit Moderichtungen experimentiert sie gar nicht. Ihrer Meinung nach sind die Produkte des Geistes keine Modeartikel und ein Künstler experimentiert nur, wenn sein fachliches Können oder seine Allgemeinbildung lückenhaft ist. Maria Darázs strebt nicht nach Sensationellem, sondern nach Qualität. Dementsprechend sind ihre Bilder nicht spektakulär, sondern gut, mit bleibendem Wert und Wirkung.



Geboren am 12. Juli 1934 in Szekszárd/Ungarn. Nach der Revolution 1956 verließ sie Ungarn wegen ihrer aktiven Teilnahme am Aufstand. Als Ehefrau und Mutter von fünf (inzwischen erwachsenen) Kindern blieb sie aktiv als Malerin mit eigenen Ateliers und als Privatlehrerin erzog sie auch eine hervorragende Künstlergeneration. Wegen ihrer familiären Verpflichtungen trat sie vor die "große Welt" verhältnismäßig spät. Die ersten Erfolge erzielte sie mit zahlreichen Ausstellungen auch in Deutschland, Österreich, Niederlande und in den USA. Seit 2001 gewannen die ungarische Landschaft und die Impressionen aus Ungarn in ihrer Kunst immer mehr Gewicht. Nach einem halben Jahrhundert Exil kehrt sie in das Land zurück, wo sie schon damals zu den Begabtesten zählte, als sie in jenem blutigen Herbst die Verbannung wählen musste.

Imre Máté